Schlaflernprogramme?

Hier sollte der Blogeintrag über das Schlafen enden. Aus aktuellem Anlass möchte ich aber noch etwas über Schlaflernprogramme schreiben.
Im vergangen Jahr ging ein Aufschrei durchs Netz wegen des Buches „Jedes Kind kann schlafen lernen“ von Annette Kast-Zahn. Das Buch gibt es schon länger. Ich hab eine Auflage von 2006 im Internet gefunden, aber letztes Jahr wurde es neu aufgelegt und so kam es zu Protesten gegen dieses Buch. Gerade der Verlag ist dafür bekannt, wertvolle Bücher herauszubringen und nicht „sowas“. Da geht es aber schon los. Was sind wertvolle Bücher? Für mich zählen dazu Bücher, die über einen liebevollen, natürlichen und authentischen Umgang mit Babys und Kindern schreiben. Ich spreche mich hier klar gegen Schlaflernprogramme aus, nicht nur gegen das eben genannte Buch.
In meinen Augen müssen Baby/Kleinkinder nicht trainiert werden, was das Schlafen anbelangt. Nichts anderes sind aber Schlaflernprogramme – Training und Konditionierung.
Aus dem Aufschrei entsetzter Eltern, aufgrund der Neuauflage dieses Buches, entstand eine Petition gegen die Veröffentlichung der Neuauflage. Selbst in der Zeitschrift „ELTERN“ wurde dazu Stellung bezogen. Dazu interviewte die bekannte Journalistin und Autorin Nora Imlau die Autorin des Buches, Annette Kast-Zahn, zu ihrem Schlaflernmethode.

Im Endeffekt wird es weiter Befürworter und Kritiker von Schlaflernprogrammen geben. Jede Seite kann wissenschaftlich argumentieren, aber keine Seite kann eine Studie heranziehen, in der bewiesen wurde, dass solche Programme schaden oder nicht. So ist der Stand der Dinge.
Nun habe ich aber in den Kommentaren zur Stellungsnahme von Nora Imlau auf ihrer Internetseite, zum geführten Interview, gelesen. Ein Vater führte zwei wichtige Punkte an, die man zuerst durchdenken sollte, bevor man überhaupt über Schlaflernprogramme diskutiert.
Was ist überhaupt der Grund für ein Schlaflernprogramm? Annette Kast-Zahn selbst sagt, dass sie verzweifelten Eltern helfen will. Wenn alles gut ist, muss ja nichts geändert werden und dann müssen die Eltern auch nicht ihre Methode anwenden. Der Vater in den Kommentaren schreibt allerdings, dass alle Eltern immer wieder gefragt werden, ob das Kind schon durchschläft. Und das verunsichert. Da fragen sich Eltern, ob das Kind das nicht müsste. Und so kommt der Stein ins Rollen. Der zweite Punkt ist, dass im Grunde Eltern ihre Ruhe haben wollen. Vor allem am Abend, wenn nur dann Zeit zu zweit ist. Denn die Eltern tun sich doch selbst unglaublich leid. Sie haben sich doch schon den ganzen Tag um das Baby gekümmert, nun kann es doch wenigstens Abends früh schlafen gehen.
Ich gebe zu, dass ich mich von solchen Gedanken nicht frei sprechen kann. Das will ich auch gar nicht. Ich gebe mir die größte Mühe meinem Baby eine wohlige Atmosphäre zu geben, in der es dann schlafen kann, wenn es müde ist. Es hat von selbst einen Rhythmus, den es befolgt und es müssen keine Zeiten antrainiert werden. Auch passt sich ein Baby im Laufe der Zeit dem Rhythmus der Eltern an. Auf jeden Fall, würde ich nie eine Methode anwenden, bei der ich mein Kind schreien lassen muss. Denn das widerspricht meinem inneren Instinkt. Ich fühle mich nicht wohl dabei. Warum kriegen wir denn heutzutage bewusst Kinder, wenn sie doch möglichst schnell wieder ruhig sein sollen? Da muss jeder selbst wissen, wie er darüber denkt.
Ich sehe uns weiter als eine Familie, die einfach miteinander lebt und nicht, dass die Eltern abgesondert von den Kindern leben. Und dann müssen sich die Kinder nicht so verhalten, wie die Eltern das wollen, sondern sie sind eigenständige Persönlichkeiten, die in einem liebevollen Zuhause am Besten gedeihen.

Ich teile übrigens die Ansichten von Herbert Renz-Polster.
http://blog.kinder-verstehen.de/?p=78

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